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Verena Schaupp :: Blog :: Schau mir in die Augen, Kleines!

December 05, 2008

Mit diesen Worten gewann Humphrey Bogart Ingrid Bergmanns Herz in Casablanca. Der Mann wusste, wovon er sprach.

Dabei konnte zu der Zeit, als der Film erschien (anno 1942) noch niemand die Ausmaße des interactiven „networking“ erahnen.

Vor drei Tagen saß ich in einer Vorlesung an der FH. Gespannt lauschte ich dem Vortrag des Professors, verfolgte auf meinem Laptop die Internetseiten, die gezeigt wurden, bookmarkte mir alle, tauschte mich mit Kollegen zum Thema aus- und zwar über Chat (wir saßen alle im selben Raum), hielt mich via twitter über die aktuellen news auf dem Laufenden, schrieb zwei Seiten in Word Office mit und weiß genau, was wir in dieser Einheit gemacht haben.

Über meine Multitasking-Fähigkeiten mache ich mir seitdem keine Sorgen mehr. Diese Stunde- der Inbegriff des "Networking". 'Net' kommt bekanntlich von 'Netz, Verflechtung'. Und 'work/ working' ist wohl auch allen klar. Ein Netz aufbauen also, vernetzt arbeiten.

Das ist die Hauptaufgabe eines Journalisten. Was früher die Beziehungspflege zu Personen in natura war, ist heute die interaktive Kommunikation über das Web (siehe twitter, Online-Journalismus, news-updates).

Die allgemeine Vorstellung eines Journalisten, der mit seiner Feder und seinem Block bewaffnet auf a G'schichtl wartet, ist veraltet. Mit Laptop, einem Handy und einer guten Internetverbindung ausgestattet, versucht jede/r als Erste/r DIE story herauszubringen. Networking vom Feinsten ist dafür essentiell. 

Der Journalismus ist von dieser neuen Form des Kommunizierens stark betroffen. Privilegierte Menschen und elitäre Nationen wissen Bescheid über die Dimensionen, die diese Art der Kommunikation angenommen hat und noch annehmen wird. 

Die "face-to-face" Kommunikation (wie wir es mal in einer Vorlesung so schön hörten) wird reduziert. Unsere Chatprogramme werden lebensnotwendig für uns.

-Hiermit ein Aufruf an alle, die ihr reales Leben ihrem virtuellen vorziehen und noch nicht von MSN, skype, ICQ oder Ähnlichem geködert wurden: Ladet euch diese Programme nicht runter! Daher auch keine Verlinkungen zu diesen Seiten.-

Bei mir ist es schon zu spät, ich bin mitten drin in meinem virtuellen "Network".

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt und da mein reales Leben noch existiert, warte ich bis jemand zu mir sagt "Schau mir in die Augen, Kleines!".
 

Stichwörter: Ceca-Danke für *du-weißt-schon-was*., face-to-face, Multitasking, Networking, News, Online-Journalismus

veröffentlicht von Verena Schaupp

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Kommentare

  1. Sehr schöner Blogeintrag!

     

    Meine Vorstellung des Journalisten war ja immer die des mutigen Abenteurers, der mit genialen Connections und scharfsinnig-raffinierten Interviews mit den betroffenen Personen das eine oder andere Skandälchen aufdeckt.

     

    (Ich werde hier jetzt nicht erwähnen, dass ich mir daraufhin immer sehr bildhaft vorgestellt habe, wie der mutige Abenteurer seine exzellent aufbereitete Story in eine vorsintflutliche Schreibmaschine getippselt hat und dann in einer dieser herrlich altmodischen Redaktionen seinem weißhaarigen Chefredakteur in die Hand (!) gedrückt hat)

     

    Ich will den Fortschritt nicht ignorieren, die Schreibmaschine hat ausgedient, der weißhaarige Chefredakteur wird's auch nicht mehr lange tun.

    Aber ich denke, dass Face-to-face-Kommunikation nie wirklich an Bedeutung verlieren wird. Die Fähigkeit, auf Menschen zugehen zu können (in echt jetzt!), wird man immer brauchen, weil sich manche Angelegenheiten einfach nur von Angesicht zu Angesicht regeln lassen.

    Auch gibt es Gebiete, wo diese Technologien noch nicht vorgedrungen sind und man auf Face-to-face Kommunikation "zurückgreifen" muss, deshalb sollte und wird diese Form der Kommunikation wohl nie ganz verkümmern.

     

    E-Mails, Tweets,  Blogeinträge sind tolle Phänomene, die unsere Zeit mit sich bringt, aber meiner Meinung nach gilt: In jeder Beziehung zählen die Menschen!

    Oder bei jedem Menschen zählen die Beziehungen. Und zwar auch die von face-to-face.

    Julia Karzel on Friday, 05 December 2008, 23:07 CET # |

  2. Das Web2.0 und seine Applikationen werden das Face to Face Gespräch nicht ablösen. Es erleichtert und beschleunigt Arbeitsabläufe lediglich. Ich gehe mal so weit und behaupte, dass man mittels Webnutzung lediglich einen Bericht schreiben kann. Eine Reportage oder ein Porträt Zeichnen sich allerdings durch das "Mittendrin statt nur dabei" aus. Ich persönlich verwende auf Presseterminen noch immer Block und Kugelschreiber und im seltensten Fall auch ein Diktiergerät - seit drei Jahren erfolgreich. Bei richtiger Redaktionsarbeit lenkt mich das Web (bis auf Email) lediglich ab.

    Allerdings finde ich den Aufbau des Blogs und deine Ansichten durchaus interessant und es freut mich, dass du das Web2.0 immer mehr für dich entdeckst.

    Bernd Gossi on Friday, 05 December 2008, 23:42 CET # |

  3. Es ist sicher wichtig, diese ganzen Web 2.0 Aktivitäten mit Maß und Ziel zu betreiben. Kein twittern, chatten, mailen oder skypen kann ein persönliches Treffen ersetzen. Es war zwar zB echt interessant, einige von euch schon vor Studienbeginn auf StudiVZ zu treffen, "in echt" ist dann aber doch wieder jeder ganz anders als im WWW, meint ihr nicht auch?

    Conny Kröpfl on Saturday, 06 December 2008, 19:31 CET # |

  4. lustig - erinnert mich daran, dass wir früher noch "face to face" geschwätzt haben ;) Heute wird während des VO gechattet.. Irgendein schlauer Mitstudent hat es auf den Punkt gebracht: "So stört man wenigstens nicht den Unterricht" ;)

    Trotzdem kann natürlich kein virtuelles Netz der Welt jemals ein persönliches Gespräch ersetzen.. Never..

    Helene Voglreiter on Sunday, 07 December 2008, 12:25 CET # |

  5. Twitter, online-foren, chat-programme, news-seiten etc... haben auch mich in den bann genommen. diese abhängigkeit  - gepaart mit dem wissensdurst nach informationen und neuigkeiten - macht es für mich undenkbar, ohne internet und handy etc. auszukommen. zumindest nicht hier in österreich...

    ich muss meiner vor-kommentiererin auch recht geben. virutelle gespräche können niemals die face-to-face kommunikation ersetzen... denn die zwischenmenschliche kommunikation im "reelen leben" ist wichtig und unabdingbar...
    oder werden wir in zukunft nur noch im netz "lieben"?

    Georg P. on Sunday, 07 December 2008, 14:29 CET # |

 

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